published 28.05.2026
Bild: ChatGPT
Sie sehen hier einen Ameisenhaufen, der nach streng wissenschaftlichen Erkenntnissen vermutlich nicht ganz korrekt dargestellt ist, der dafür aber die Struktur der heutigen Bundesrepublik umso besser wiedergibt.
Der Ameisenstaat
Die Rollenverteilung in dieser Population ist folgendermaßen: Die Bewohner im erdnahen Bereich arbeiten und erzeugen Produkte, die für das Überleben von Ameisen notwendig sind. Ein Anteil ihrer Produktion und Dienste wird von den Bewohnern im oberen, helleren Wohnbereich konfisziert, wofür jene im Gegenzug administrative Leistungen erbringen, die zum Funktionieren der Gesamtheit des Ameisenhaufens erforderlich sind. Sie organisieren die Verteidigung ihres Hügels gegen Wespen und Raubkäfer, sie sind für die architektonische Stabilität der ganzen Anlage verantwortlich und sorgen für innere Sicherheit.
Unten werden also in harter Arbeit Samen und Pflanzenteile, süße Säfte und Nektar von den umgebenden Pflanzen geerntet und der leckere Honigtau bei den Blattläusen gemolken; im Obergeschoss sitzen die Beamten und sorgen dafür, dass all das reibungslos funktionieren kann, und bekommen dafür ihren Anteil an der Produktion.
Die Grenze zwischen oben und unten ist ganz deutlich an der Färbung des Ameisenhaufens zu erkennen.
Ist das gerecht?
Beim Bau des Hügels waren die Administratoren tatsächlich unverzichtbar. Hochqualifizierte Ameisenarchitekten, Statiker und Mathematiker sorgten dafür, dass aus einem chaotischen Sandhaufen ein funktionierender Staat wurde. Sie arbeiteten hart, übernahmen Verantwortung und verdienten sich ihren Anteil an Nektar und Honigtau redlich. Es waren hochkarätige Professionals, die nicht mehr für sich in Anspruch nahmen, als angemessen war.
Doch mit der Zeit änderte sich etwas.
In dem Maße, wie der Ameisenstaat architektonisch und organisatorisch Gestalt angenommen hatte und aus sich selbst heraus funktionierte, wurde den Administratoren immer weniger abverlangt, und zwar sowohl hinsichtlich fachlicher Kompetenz als auch harter Arbeit. Parallel zu dieser Entwicklung bereicherten natürlich Ameisen jüngerer Generationen die Bevölkerung. Die unten hatten so zu arbeiten wie ihre Vorfahren: Läuse melken und essbare Pflanzenreste sammeln. In den oberen Etagen aber gab es immer weniger zu tun, und auch die fachlichen Anforderungen an die Neuankömmlinge hatten deutlich nachgelassen.
Doch die Büros in den Obergeschossen des Hügels waren ja immer noch vorhanden, und auch an die Routine zur Extraktion nützlicher Güter aus der Unterschicht hatte man sich gewöhnt. So wurden diese Etagen weiterhin besetzt, zwar nicht von Ingenieuren und Architekten, aber die waren ja auch nicht mehr nötig. Jetzt kamen Kandidatinnen, die weder jemals eine Blattlausherde noch eine der gefährlichen Zitterspinnen gesehen hätten. Aber nicht nur das: Man baute neue Büros und stellte immer mehr Administratorinnen ein, obwohl es immer weniger zu tun gab.
Farbenblinde Ameisen
Man sah das dem Hügel schon von Weitem an: Die Trennlinie zwischen oben und unten rutschte immer weiter hinab. Aber womit beschäftigten sich nun all diese neuen Administratoren? Mit sich selbst! Ihnen war völlig klar, dass sie mit ihrer bescheidenen Begabung und niedrigen Leistungsbereitschaft im unteren Bereich, wo harte Arbeit zählt, niemals ein so üppiges Leben führen könnten wie hier oben. Und um ihre Position zu stärken, holten sie Gleichgesinnte zu sich und schufen scheinbar notwendige Büros am laufenden Band, und die nannten sie NGOs.
Um all das zu ernähren, musste man der arbeitenden Bevölkerung natürlich immer mehr von ihren mühsam erworbenen Gütern wegnehmen, und die ließen sich das gefallen. Das ging aber nur gut, bis die Trennlinie zwischen hell und dunkel dem Erdboden zu nahe kam. Dann stürzte der Hügel in sich zusammen. Das war in der Geschichte dieser Ameisenkolonie von Experten schon zweimal beobachtet worden. Sie nannten das „sozialistischen Kollaps“, und den ersten bezeichneten sie als „braun“, den zweiten als „rot“, und dem jetzt drohenden würden sie die Farbe „Grün“ geben.

Jos