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published 03.10.2026

Bild: Ostsee Zeitung

Feigheit ist das Vermeiden einer geringen, kurzfristigen Gefahr, wobei ein größerer, langfristiger Schaden in Kauf genommen wird. Eine Lebenseinstellung, die durch Feigheit dominiert wird, heißt Opportunismus. Unsere Dekade ist davon geprägt. Die Mehrheit ist zu feige, ihre Meinung zu sagen; sie meidet das kleine Risiko und ebnet damit den Weg in ein totalitäres Regime.


Von der Außenwelt abgeschnitten

Umso bemerkenswerter sind die Lebensläufe mutiger Menschen. Einer von ihnen ist Manfred Haferburg, dessen atemberaubende Autobiographie „Wohn-Haft“,

Eine Episode daraus:

Im Februar 1979 war Haferburg als Oberschichtleiter für das Kernkraftwerk Greifswald mit einigen hundert Mitarbeitern verantwortlich. Schneestürme hatten die gesamte Gegend – und auch das Kraftwerk – für 70 Stunden von der Außenwelt total abgeschnitten.

Haferburg hielt seine Mannschaft bei Laune und sorgte dafür, dass das Kraftwerk weiterlief. Mit seiner Leistung von rund 2 Gigawatt war es damals praktisch der einzige Stromlieferant für die DDR. Ich erwähne Manfred Haferburg hier allerdings nicht nur wegen dieser außergewöhnlichen Leistung. Eine andere Leistung von ihm bereitet mir persönlich eine große Ehre: Er schrieb das Vorwort zu meinem Buch „Zehn Jahre Grün und Dumm – Die Kosten der Ignoranz“.

„Das Buch … hat ein Alleinstellungsmerkmal. Es ist völlig frei von Fachchinesisch. Es wurde in einer Sprache geschrieben, die jeder Laie versteht. Der Autor ist zwar Physiker, aber einer, der es versteht, die Physik von Klimaphänomenen und sogar Mathematik auf heitere Weise verständlich zu machen und so zu erklären, dass sich der Leser hinterher fragt: ‚Wieso habe ich das bisher nicht verstanden, wo es doch so einfach ist?‘“

Ein nettes Beispiel aus dem Buch ist der spaßige Vergleich des Gewichts eines Bugattis, der mit seinem 1000-PS-Motor ungefähr halb so viel leistet wie ein großes Windrad mit 6 MW im Jahresdurchschnitt. Zwei Bugattis erzeugen also dieselbe Arbeit wie ein 6-MW-Windrad. Der Bugatti wiegt 1,9 Tonnen, das Windrad aber rund 7000 Tonnen.

Eine sehr anschauliche Darstellung der absurd niedrigen Energiedichte der Erneuerbaren. Eine technologische Schwerindustrie wie etwa die Stahlerzeugung, angetrieben von Windmühlen, kann weder funktionieren noch wirtschaftlich sein.

Ach, hätten doch ein paar grüne Dummköpfe dieses Buch gelesen – Deutschland hätte einige Probleme weniger.“

 

Kampflose Unterwerfung

Manfred Haferburg hatte damals gemeinsam mit seiner Mannschaft dafür gesorgt, dass sein Kraftwerk trotz widrigster Umstände weiter Strom produzierte.

In den vergangenen zehn Jahren wurde die Kernenergie in Deutschland zerstört. Ein Kraftwerk nach dem anderen wurde abgeschaltet oder demoliert. Doch welcher der Betreiber hat sich gemeinsam mit seiner Mannschaft dagegen gewehrt?

Wer hat gesagt: „Nur über unsere Leichen!“

Niemand. Unternehmer und  Experten, die ihr ganzes Berufsleben dem Bau und Betrieb dieser Anlagen gewidmet hatten, nahmen die Zerstörung ihres Lebenswerks und ihrer beruflichen Existenz kampflos hin; sie unterwarfen sich einer Politik, geprägt von Ignoranz und Opportunismus.

Wo waren da die Haferburgs?

 

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Comments (2)

  1. Retlapsneklow

    Reply

    Ich kann nur hoffen, dass viele diesen Artikel und das Buch lesen, die kaum zu den Stammkunden des Blogs zählen dürften, die irgendwie ahnen, dass sie es mehr gibt, als was sie über das Thema aus anderen Quellen wissen, wo Reichweite kein Zeichen für Lauterkeit ist.

  2. Jos

    Reply

    Die Antwort auf Ihre Feststellung „Nur über unsere Leichen“ sowie auf Ihre Frage „Wo waren die Haferburgs“ haben Sie bereits am Anfang des Artikels mit dem Hinweis auf „Opportunismus“ überdeutlich zum Ausdruck gebracht.
    Leider hat sich daran bis dato – außer schlappen Absichtserklärungen von „hochrangigen“ und an der Macht befindlichen Politikern – überhaupt nichts geändert.
    Völlig anders ist dies z.B. beim Thema Migration und der Ukrainehilfe, mit dem die Mehrheit der Bürger hierzulande überhaupt nicht einverstanden ist, was an manchen Wahlergebnissen und Umfragewerten genau abzulesen ist. Daran wird entgegen aller Vernunft bis zum bitteren Ende festgehalten. Diese Standhaftigkeit hätte „die Politik“ auch beim Thema Kernenergie haben müssen.
    Aber wo soll es herkommen, wenn Dummheit und Opportunismus vorherrschen?

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