published 31.01.2026
Bild: ChatGTP

Da gibt es jemanden, der heiratet, nur um jedes Mal festzustellen, dass es die Falsche ist. Die Scheidungen kosten zwar viel Geld – aber es ist nicht das eigene. Die bisherigen Bräute hießen Braunkohle, Atom, Steinkohle, Sonne und Wind. Und wenn er von denen zu Hause nicht genug bekommen konnte, ging er für viel Geld fremd: nach Frankreich oder Polen. Jetzt aber ist er überzeugt, die Richtige gefunden zu haben, die all seine Bedürfnisse erfüllt. Sie heißt LNG. Und die muss herhalten, bis demnächst auf deutschem Boden das erste Fusionskraftwerk der Welt all seine Wünsche erfüllt.


Keine Angst vor Terawattstunden

Sie sind mit dem Auto unterwegs, und der Tacho steht auf 80. Das ist Ihre Geschwindigkeit, und die wird in Kilometern pro Stunde angezeigt. Wenn Sie 5 Stunden lang dieses Tempo so ungefähr beibehalten, mal etwas langsamer, mal etwas schneller, dann sind Sie 5 x 80 = 400 Kilometer weit gekommen.

Wenn Sie dann abends gemütlich zu Hause sitzen, und Sie hätten jetzt so einen Tacho für die Geschwindigkeit, mit der die Elektrizität in Ihr Haus fließt, dann würde der jetzt 1,2 anzeigen: So viel ziehen Fernseher, Kühlschrank und Beleuchtung insgesamt aus den Steckdosen. Die 1,2 sind jetzt natürlich keine Kilometer pro Stunde, sondern es sind „Kilowatt“. Das ist die Einheit für die Geschwindigkeit, mit der die Elektrizität in ihr Haus fließt. Nach 5 Stunden vor dem Fernseher wären dann 5 x 1,2 = 6 in Ihr Haus geflossen. Aber 6 was? Es sind 6 Kilowattstunden, für die Sie pro Stück 40 Cent bezahlen müssen. Diese Ware, die Ihnen der Stromanbieter ins Haus liefert, wird also in Kilowattstunden abgewogen, kurz kWh. Im Monat kommen Sie da vielleicht auf 250 kWh, und im Jahr auf 12 x 250 = 3000 kWh. Dazu sagt man dann auch 3 Megawattstunden = 3 MWh.

Die Elektrizitätswerke wollen aber außer Ihrer Familie noch andere versorgen, sagen wir eine sehr große Stadt mit einer Million Haushalte. Da müssten dann am Feierabend von irgendwo her eine Million x 1,2 Kilowatt fließen, damit alle fernsehen können und die Gefriertruhen kalt bleiben. Eine Million Kilowatt wird auch als Gigawatt (GW) bezeichnet. Besagte 1,2 GW müssten dann von irgendwo her kommen.

 

Racheakt nach Scheidung

Ein Kernkraftwerk, etwa das in Grafenrheinfeld, hat genau diese Leistung geliefert. Allerdings wurde es 2024 vorsätzlich zerstört. Das war ein sinnloser Racheakt, so wie er bei Ehescheidungen zu beobachten ist, wenn einer der Partner psychopathische Tendenzen hat. Und so wie dem AKW Grafenrheinfeld erging es auch den übrigen 16 Kernkraftwerken, die mit insgesamt 20 Gigawatt Leistung knapp ein Drittel des deutschen Strombedarfs befriedigten. Deutschland hat sich von der Kernkraft scheiden lassen. Der Schaden, den das Land dadurch erlitten hat, wird auf €100 Mrd. geschätzt. Das ist von einer Größenordnung, wie sie sonst nur in Kriegen zu beklagen ist; wie etwa in der Ukraine:

Die physische Zerstörung von Infrastruktur und Gebäuden allein wurde laut der Kyiv School of Economics bereits auf rund 170 Milliarden Dollar geschätzt (Stand Ende 2024 /https://www.bofit.fi/en/).

Dieser Schaden wurde aber Deutschland in Friedenszeiten zugefügt. Was diesen Racheakt gegen die Kernenergie noch absurder macht, ist die Tatsache, dass die dafür verantwortlichen Entscheidungsträger dem „Klimaschutz“, also der Reduktion von CO2 Emissionen, huldigen wie einem heiligen Gral. Die einzige nachhaltige, CO2-freie Stromquelle ist aber jene Kernenergie, die im vergangenen Jahrzehnt vernichtet wurde.

Der Eimer und die Tasse

Von Menschen gemachtes CO2, etwa durch Verbrennen von Kohle, Gas oder Öl, entweicht in die Atmosphäre, verteilt sich im Laufe der Zeit über den Globus, egal wo es herkommt, und vermischt sich mit dem bereits vorhandenen. Nun gibt es die Behauptung, dass die Zunahme von CO2 in der Atmosphäre zu deren Erwärmung führt. Wir wollen diese These hier nicht diskutieren, es gibt auf jeden Fall internationale Vereinbarungen, in denen sich Staaten verpflichten, ihre CO2-Emission zu begrenzen.

Deutschlands Beitrag zum globalen CO2 beträgt rund 2%; das wäre der Inhalt einer Kaffeetasse im Vergleich zu einem stattlichen Wassereimer. Wenn diese 2% auf null gebracht würden, dann hätte es keinerlei Effekt auf das Klima. Nichtsdestotrotz ist die Senkung der CO2-Emission das zentrale Thema der deutschen Politik. Das ist umso absurder, als die CO2-Giganten China, Indien und USA keinerlei Anstalten machen, sich einzuschränken.

Was hat Strom mit CO2 zu tun?

Die Stromerzeugung in den uns verbleibenden, vom Wetter unabhängigen Kraftwerken, erfolgt also über folgenden Prozess: Verbrennung > Hitze > Dampf > Turbine > Generator > Stromnetz. Bei der Verbrennung, also der chemischen Reaktion von Sauerstoff aus der Luft mit dem Brennstoff, entsteht CO2. Nun wäre es interessant zu erfahren, wieviel CO2 so ein Kraftwerk ausstößt, wenn es eine Kilowattstunde erzeugt.

Das ist unterschiedlich, je nach Brennmaterial.

Die Brutto-CO₂-Emissionen der verschiedenen Brennstoffe sind:

Braunkohle     1250 Gramm pro kWh

Steinkohle       950 Gramm pro kWh

LNG                    700 Gramm pro kWh

„Brutto“ schließt hier auch die CO2 Emissionen ein, die beim Transport des Brennstoffs zum Kraftwerk anfallen.

In den eingangs beschriebenen 5 Stunden vor dem Fernseher hatten Sie ja 6 Kilowattstunden verbraucht. Wenn die aus einem Steinkohle-Kraftwerk kamen, dann haben Sie sich also mit

6 x 950 Gramm = 5,7 Kilogramm CO2

an der Erderwärmung beteiligt.

Der Feind, auf den man nicht verzichten kann

Man sieht sofort, dass Braun- und Steinkohle auf wenig Wohlwollen bei der klimafreundlichen Bundesregierung stoßen, und so hat man sich schon einmal daran gemacht, Kohlekraftwerke mit einer Gesamtleistung von acht Gigawatt zu zerstören. Man hat sie nicht einfach abgeschaltet, sondern tatsächlich für immer unbrauchbar gemacht, darunter das neue und moderne Kraftwerk für Steinkohle in Hamburg-Moorburg, welches 1,6 Gigawatt ins Netz speisen konnte. Damit wurden insgesamt nochmals Werte in zweistelligen Milliardenbereich in die Tonne getreten.

Heute sind in Deutschland noch Kraftwerke mit folgenden Gesamtkapazitäten installiert:

Braunkohle     15 GW

Steinkohle       16 GW

Erdgas               36 GW

Gesamt              67 GW

Diese Summe von 67 Gigawatt reicht für den typischen deutschen Gesamtverbrauch aus, sofern die Kraftwerke in der Lage sind, alles zu geben, und auch Wind oder Sonne einen Beitrag leisten. Anderenfalls müssen ein paar Gigawatt zu horrenden Preisen importiert werden, oft aus Frankreich oder Polen. (Die täglichen Daten erfahren Sie übrigens im Morgenwecker von „Tichys Einblick“, gesprochen vom freundlichen Holger Douglas).

Offensichtlich ist man also auf den Feind Kohle immer noch angewiesen.

Öfter mal was Neues

Da gab es nun die geniale Idee, den Strom aus Wasserstoff zu erzeugen, sei es als Brennstoff in einem Gaskraftwerk oder auf anderem Wege durch „Brennstoffzellen“. Bei diesem Prozess wird keinerlei CO2 erzeugt, sondern nur H2O – und das ist ja harmlos. Worauf warten wir noch? Das Problem: Im Gegensatz zu Kohle oder Erdöl gibt es auf Erden keinen Wasserstoff.  Man könnte ihn zwar durch Elektrolyse aus Wasser erzeugen, aber dazu muss man mehr Energie investieren, als man zurückbekommt. Gut, da böte es sich natürlich an, die überschüssige Energie aus den alternativen Quellen an windreichen Sommertagen für die Herstellung von Wasserstoff zu nutzen. Das ist eine gute Idee –man darf nur nicht anfangen zu rechnen. Und das haben wir hier und hier für Sie getan.

Wasserstoff ist also auch nicht die Rettung, weil er eben nicht auf Erden vorkommt. Was aber aus dem Inneren der Erde hervorkommt, ist Methan CH4 – ein Kohlenstoffatom, das mit vier Wasserstoffatomen einen kleinen Tetraeder bildet. Würde man unsere Kraftwerke mit Methan betreiben, dann würden pro Kilowattstunde nur 400 Gramm CO2 emittiert, also weniger als die Hälfte der Emission beim Betrieb mit Steinkohle. Zwar nicht ganz grün, aber doch weniger schwarz.

Dieses Gas sollte uns ursprünglich in großen Mengen durch die „Nordstream“ Leitungen aus Russland zufließen. Doch diese Leitungen wurden auf mysteriöse Weise zerstört, und außerdem wollen wir jetzt mit den bösen Russen sowieso keine Geschäfte mehr machen. Da bietet sich nun das „Liquefied Natural Gas“ kurz LNG aus den USA an. Unterwasser-Leitungen für Gas nach USA, also „Weststream“, zu bauen, wäre zu aufwendig. Stattdessen kühlt man das Zeug auf -162°C ab, dann wird es flüssig und kann per Tanker transportiert werden. Das macht die Sache nicht billiger und braucht viel Energie. Daher werden in der Gesamtbilanz aus den erwähnten 400 Gramm / kWh dann die 700. Das ist kein großer Unterschied mehr zu Kohle, aber immerhin wieder was Neues. Dazu baut Deutschland jetzt eifrig LNG-Importterminals an der Nord- und Ostsee, an die die LNG-Tanker dann andocken, und erweitert die Gasnetze und Speicher, um das kostbare Gas zu bunkern, und um 250 Gramm CO2 pro kWh gegenüber Kohle einzusparen.

Pünktlich und kontrolliert zum Einsturz

Der Homo Sapiens ist angeblich mit Intelligenz ausgestattet, also der Fähigkeit, Projekte im geistigen Probehandeln zu durchlaufen, um so die Konsequenzen seines Vorhabens abschätzen zu können, bevor es Wirklichkeit wird. Dieses geistige Probehandeln sollte ganz offensichtlich vor der Realisierung des jeweiligen Projektes stattfinden. Kürzlich kam unser Kanzler Friedrich Merz nun zu dem Schluss, dass es „ein schwerer strategischer Fehler war, aus der Kernenergie auszusteigen“. Ach so?  Noch ein Vierteljahr zuvor wurde doch unter seiner Kanzlerschaft das AKW Gundremmingen zerstört.

Die offizielle Verlautbarung dazu: „Die beiden rund 160 Meter hohen Kühltürme wurden am 25. Oktober 2025 pünktlich um etwa 12 Uhr mittags mit Sprengladungen kontrolliert zum Einsturz gebracht.“

Und so wird derzeit auch ganz Deutschland pünktlich und kontrolliert zum Einsturz gebracht.

 

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