published 20.06.2026
Bild: ChatGPT
Was in anderen Kulturen als „typisch Deutsch“ empfunden wird ist der Mangel an „situational awareness“; also das Fehlen von Feingefühl für die Mechanik der vielfältigen Interaktionen zwischen Menschen in einer bestimmtem Situation. In dieser Hinsicht ist unsere Regierung sehr deutsch geblieben.
Fritz und Otto
Über diese beiden deutschen Einwanderer erzählt man sich in Chile, dass sie nach ihrem Tod vom Teufel gefragt wurden, ob sie lieber in die chilenische oder in die deutsche Hölle wollten. Man einigt sich auf einen Probeaufenthalt: Fritz geht in die deutsche, Otto in die chilenische Abteilung. Nach ein paar Tagen kommt Fritz und erzählt: „Also wir werden um genau 5 Uhr mit Trillerpfeife geweckt, es gibt 100 Peitschenhiebe und dann ein Bad in kochendem Öl. Und bei euch?“ Otto schildert: „Im Prinzip genau so. Nur sind die Teufel nie pünktlich mit dem Wecken, der Kerl mit der Peitsche gibt sich keine Mühe und das Öl ist gerade mal lauwarm – Ich komm lieber zu euch.“
Liebe zur Gründlichkeit, egal wie schmerzhaft. Erinnert das nicht an die Zerstörung der deutschen Energieversorgung?
Bei der Königin
Ihre Majestät hat Botschafter befreundeter Länder zum festlichen Dinner eingeladen. Zum allgemeinen Entsetzen lässt die Königin deutlich hörbar einen fahren. Der Franzose versucht die Situation zu retten und entschuldigt sich wortreich für sein unangebrachtes Verhalten. Einige Minuten danach passiert der Königin das gleiche Malheur wieder und der amerikanische Botschafter bittet um Verzeihung für seinen Fauxpas. Beim dritten Mal ergreift der deutsche Botschafter dann das Wort: „Diesen und die nächsten zwei übernimmt die Bundesrepublik Deutschland“.
Was in anderen Kulturen als „typisch Deutsch“ empfunden wird ist der Mangel an „situational awareness“, also das Fehlen von Feingefühl für die Mechanik der vielfältigen Interaktionen zwischen Menschen in einer bestimmtem Situation. Das passiert nicht nur in Witzen. Ich war neulich in einer großen Apotheke in München. Vor mir eine elegante Dame, die auf ihre Medikamente wartete. Eine Angestellte lief mit Zettel in der Hand von Regal zu Regal, um die verschriebenen Arzneien einzusammeln. Dann stockte sie und rief der Kundin, für jeden vernehmbar zu: „Die Salbe für die Hämorrhoiden müssen wir erst bestellen.“
Vielleicht gibt es eine Dienstvorschrift für Apothekenangestellte, die besagt, Kundenwünsche wären vertraulich zu behandeln. Aber ganz egal, das Taktgefühl hätte die beflissene Bedienstete doch dreimal stoppen müssen, bevor sie dem ganzen Laden von den Hämorrhoiden erzählt. Ich behaupte, dass man so etwas nicht in der letzten Dorfapotheke in Bolivien oder Nigeria erleben könnte. Das gibt es nur in Deutschland.
Die Medaille
Dieses Fehlen an Aufmerksamkeit und Gespür für zwischenmenschliche Wechselwirkung ist vermutlich der Preis für totale Sachlichkeit. Totale Sachlichkeit war die Voraussetzung für die überragenden Leistungen der Deutschen in Naturwissenschaft, Kunst und Technologie. Da herrschte der bedingungslose Drang nach Perfektion, ohne Rücksicht auf die eigenen seelischen Bedürfnisse, und die der anderen. Nur so konnten Buchdruck, Automobil und der Ring des Nibelungen geschaffen werden.
Das war die Vorderseite der Medaille, die goldene. Und die ist verloren gegangen. Geblieben ist nur die bleierne Rückseite.
Die Mitglieder unserer Regierung, die das Wort „Deutsch“ scheuen, wie der Teufel das Weihwasser, sind in ihrem Verhalten deutscher als jede Regierung zuvor. Wo war die situational awareness unserer Außenministerin, als sie Krisengebiete dieser Welt in einem modischen Outfit besuchte, als wollte sie beim Klassentreffen zur Schau stellen, wie weit sie es beruflich gebracht hätte? Sie wird aber noch übertroffen vom Staatsoberhaupt.
Genitalien auf Augenhöhe
Der hat anscheinend gehört, dass Fortschritt oft mit der Aufkündigung von Traditionen und Tabus einher geht. Nun hat es unter seiner Regentschaft wenig nützlichen Fortschritt in Deutschland gegeben. Das macht er wett durch den umso dramatischeren Bruch eines weltweit geheiligten Tabus.
Aus gutem Grund wird Erotik und deren Darstellung aus der Öffentlichkeit fern gehalten. Ja – es mag Kunstwerke mit erotischen Aspekten geben, aber die sind im Dienste der Ästhetik und nicht Selbstzweck. Die Geburt der Venus von Botticelli oder Michelangelos David sind keine Pornographie.
Anders aber die Skulptur, die der Bundespräsident aufstellen ließ. Nach Worten von Roland Tichy: „Steinmeier stellt eine Sexpuppe im Schloss Bellevue aus: lebensgroß, Genitalien auf Augenhöhe, in Sichtachse aus seinem Büro. Wen soll diese Politik repräsentieren?“
Wenn ein Prolet in ein Schloss einzieht, dann wird nicht er zum Adeligen, sondern das Schloss wird zur Spelunke. Auf jeden Fall wird der Hausherr seinen noblen Gästen aus allen Ländern drastisch demonstrieren, dass den Deutschen nur die eine Seite der Medaille geblieben ist: die bleierne und lächerliche.


Jos