published 08.11.2025

Bild: MGM Studios

Vom 10. bis 21. November findet in Belém, Brasilien, die COP30 statt – die 30. Conference of the Parties. 50.000 Freunde des Klimas reisen an, trotz 30 Grad Hitze, 80 Prozent Luftfeuchtigkeit und täglicher Tropenschauer. Warum sie sich das antun? Vielleicht hilft ein Blick nach Hollywood: In „Some Like It Hot“ treffen sich die „Friends of the Italian Opera“ – angeblich für Verdi und Puccini, tatsächlich für Whisky und Geschäfte anderer Art. Auch bei den „Friends of the Climate“ geht es wohl nicht nur um Celsius und CO₂.


Das CO2 zeigt sich unbeeindruckt

In Lateinamerika kursiert eine Scherzfrage: Wovon lebt der Dumme? – Vom Arbeiten. Und wovon lebt der Schlaue? – Vom Dummen.

Vielleicht könnte das auch das inoffizielle Motto der Klimakonferenz von Belém in Brasilien sein, wo sich demnächst 50.000 Schlaue treffen, um unter sich aufzuteilen, was den Dummen abgenommen wurde. Ich bezweifle stark, dass dort 50.000 Wissenschaftler zusammenkommen, um ihre neuesten Klimadaten zu vergleichen oder die tropischen Temperaturen vor Ort zu messen.

Und was gibt es dort zu verteilen? Laut dem „Institute for Climate Economics“ wurden 2024 durch Emissionshandel und CO₂-Steuern weltweit rund 100 Milliarden Dollar eingenommen. Das EU-Emissionshandelssystem trug dazu 41 % bei, Deutschlands nationales EHS weitere 14 % und Kanada 9 %. Natürlich liegt diese Summe in Belém nicht vollständig auf dem Tisch – doch genug davon, dass sich die Reise für jeden lohnt.

Der globale CO₂-Ausstoß hingegen, dessen Reduktion der eigentliche Zweck der COPs sein sollte, zeigt sich davon unbeeindruckt. Seit der ersten Konferenz 1995 hat er sich von jährlich 21 auf 41 Milliarden Tonnen nahezu verdoppelt. Welchen Einfluss hat diese Zunahme auf unser Klima?

 

Wo steht das globale Thermometer?

Doch wo steht eigentlich das Thermometer, das die „mittlere Erdtemperatur“ misst? Eine Gegenfrage: Wie hoch ist die mittlere Temperatur in Ihrem Haus? Sie könnten im Wohnzimmer, in der Küche und im Bad Thermometer aufhängen und daraus einen Durchschnitt berechnen. Warum nicht auch im Büro oder im Treppenhaus? Schon hier zeigt sich: Ein Mittelwert ist immer ein Stück weit willkürlich.

Bei unserem Planeten wird es noch viel komplizierter: Zwei Drittel der Erde bestehen aus Ozeanen, dazu kommen Gebirge, Arktis und Antarktis. Außerdem sinkt die Temperatur mit der Höhe – im Schnitt um 6,5 °C pro 1000 Meter. Steht also eine Wetterstation im Gebirge, muss ihr Wert korrigiert werden. Und das ist nur einer von vielen Einflüssen. In die Computer fließen letztlich unzählige Messdaten ein, die – je nach Herkunft, ob vom Meer, vom Satelliten oder aus dem Hochland – unterschiedlich angepasst werden müssen. Und in der Sahara sind Thermometer seltener als in Bayern, das muss auch mathematisch berücksichtigt werden.

Das Endergebnis, die sogenannte „Erdtemperatur“, ergibt sich also aus Messwerten und einer Vielzahl menschlicher Vermutungen und Korrekturen. Da mag dann zwar eine exakt definierte Zahl herauskommen, doch die hat keine physikalische Bedeutung.

 

Der Monat Oktober

Warum eigentlich gleich die Temperatur der ganzen Welt messen? Wenn die Erde Fieber hat, müsste sich das doch überall zeigen. Warum also nicht einfach an einem Ort nachsehen, wo seit Jahrzehnten gewissenhafte Meteorologen täglich ihre Messungen vornehmen, etwa an einem Flughafen? Solche Daten gibt es reichlich, frei zugänglich im Netz. Ich habe mir den Flughafen von Kapstadt ausgesucht, gleich bei mir um die Ecke. Meteorologen nehmen für langfristige Beobachtungen gern den Oktober.

Bild: private

Man mittelt die Temperatur über alle 24 Stunden und alle 31 Tage des Monats und erhält so einen einzigen Wert pro Jahr. Nach viel Arbeit ergibt sich schließlich eine Graphik. Der Oktober 2005, zum Beispiel, brachte eine mittlere Temperatur von knapp 16 Grad. Die Extreme – also die heißen Tage über 28 Grad im Oktober 2018 oder die eisige Kälte von 2015 – lassen wir beiseite. Uns interessiert nur die Durchschnittstemperatur.

Und diese zeigt tatsächlich einen minimalen Anstieg. Von 1996 bis 2023 hat die mittlere Oktobertemperatur am Flughafen von Kapstadt von 16,5 auf 17,3 Grad zugenommen. Das sind 0,81 Grad in 27 Jahren –drei Hundertstel pro Jahr.

Doch während die Temperatur langsam zunahm, nahm in Kapstadt noch etwas anderes zu, und zwar wesentlich schneller: die Zahl der Autos: Im selben Zeitraum von rund 640.000 auf über 1,5 Millionen. All diese Fahrzeuge stehen nicht nur in den Registern, sie fahren, heizen, verbrennen. Auch die Zahl der Häuser nahm zu – und mit ihr die Öfen, Herde und Klimaanlagen. Das alles verwandelt Strom und Kohle letztlich in Wärme, die von der Luft darüber absorbiert wird. Das ist der „Urban Heat Effect (UHE)“, der den Städten freundlich Wärme zufächelt.

Ich will nicht behaupten, dass der UHE die Ursache für das gesamte Global Warming ist, einen Einfluss hat er sicher, aber den zu quantifizieren, das wäre kaum möglich.

Aber ich habe auch einen Flughafen auf der Nordhalbkugel nach derselben Methode analysiert: Für Basel ergeben sich über die vergangenen 25 Jahre  0,028°C Erwärmung pro Jahr .

 

Bismarck in North Dakota

Wie sieht es in Amerika aus?  Ein Kollege schickte mir die Temperaturdaten, die in der „Dale Enterprise Station“ in Virginia über 50 Jahre gemessen wurden. Die Anlage liegt fernab von städtischer Umgebung oder größerer Flughäfen, nur Fuchs und Hase sagen sich dort gute Nacht. Was hat man dort gemessen? Sage und schreibe -0,0018°F =,0010°C  Abkühlung pro Jahr, mit anderen Worten, in freier Natur bleibt die Temperatur gleich.

Bild: Johan Kowatsch

Ich habe dann die künstliche Intelligenz nach anderen Orten ohne langfristigen Temperaturanstieg suchen lassen und ein Kandidat war die Stadt Bismarck in North Carolina. Die Antwort auf meine Frage nach Bismarcks Umgebung hier im Originalton:

The city is surrounded by prairies, farmland, and small towns. Outside the city limits, it becomes open countryside within minutes — ranches, grain fields, and wide horizons. The population density is low, and traffic is minimal compared to major cities. (Die Stadt ist von Prärien, Ackerland und kleinen Städten umgeben. Außerhalb der Stadtgrenzen öffnet sich innerhalb weniger Minuten die offene Landschaft – Ranches, Getreidefelder und weite Horizonte. Die Bevölkerungsdichte ist gering und der Verkehr im Vergleich zu Großstädten minimal.)

In Bismarck also auch kein Global Warming.

 

Hier im Überblick:

 

Station Airport Land Zeitraum pro Jahr
Cape Town Intl. Airport FACT South Africa 25 Jahre +0,030°c
Basel Intl. Airport LFSB Frankreich 25 Jahre +0,028°C
Dale Enterprise station Virginia / USA USA 50 Jahre -0,001°C
Bismarck North Dakota Airport KBIS USA 25 Jahre -0,026°C

 

Es gibt also Orte auf diesem Planeten, weitgehend unbesiedelt, wo über die vergangenen 25 oder 50 Jahre die mittlere Temperatur nicht angestiegen ist. Sie wurden vom Global Warming verschont. In städtischen Gebieten dagegen beobachtet man Erwärmung von ein paar Hundertstel Grad Celsius pro Jahr. Diese vier Beispiele sind weit entfernt von der  statistisch soliden Aussage, dass die ganze Erderwärmung nur ein Effekt des Energieausstoßes der fortschreitenden Zivilisation mit ihren Autos und Heizungen sei.

Aus wissenschaftlicher Perspektive wäre es aber von höchste Priorität genau dieser Frage objektiv und professionell nachzugehen. Es könnte aber auch sein, dass unsere Freunde von COP30 das gar nicht so genau wissen wollen. Denn wenn sich die gesamte Global Warming Wirtschaft mit ihre Milliarden aus dem Emissionshandel als Irrtume herausstellt,

***

 


Comments (5)

  1. Andrea Plambeck

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    Wie immer hervorragend recherchiert und leicht verständlich geschrieben

  2. Gustl Grillenberger

    Reply

    Werter Dr. HHR, absolut plausibel ! Neben betonierten Wärme-Akkus(/-Kapazitäten) tut sich eine weiter Schere auf. Die besinnungslose Versiegelung vermindert das Schluckvermögen des Bodens und ändert z.T. sogar Wasserkreisläufe und Grundwasserspeicherung. In Summe führt dies auch zu Photosyntheseverringerung der nun fehlenden Biomasse. Vor Carl von Linde (Schüler von Max Planck) pflanzten die Brauereien Kastanien um ihre Keller, da sie bzgl. Haltbarkeit des Biers mit dem Eis der Isar (und z.B. stärkeren Märzensorten) bis August auskommen konnten. Bäume spenden nicht nur Schatten und vermeiden Stauwärme, sondern führen über die Verdunstung latente Wärme ab. Der linksläufige Kälteprozeß von Klimaanlagen wiederum produziert ungleich mehr Wärme als er (lokal) kühlt – dies ist in Weltstädten eine Art selbstschädigendes Sankt Florians Prinzip.
    Ich hole mir örtliche Kühle und gebe der Umgebung das Dreifache an Wärme ab, spätestens jetzt wird es meinem Nachbarn auch zu warm und er tut es mir gleich !
    Privates fast zeitgleiches Stichprobenbeispiel mit kalibrierter IR Kamera: Dorfschatten Greiling 26°C, Asphalt am Radweg 56°C, Ahornblätter in praller Sonne 20-22°C, Waldschatten Gaissachtal nach dem Dorf 18°C, umspülte Steine im Bachbett 12°C, lockerer Waldboden 14-16°C, MÜNCHEN 31°C (gegoogelt an repräsentativen Stellen).

  3. Jos

    Reply

    Die ganze Klimakonferenz in Brasilien dient vornehmlich der Selbstinszenierung und den wirtschaftlichen Interessen vieler Regierungen und Institutionen unter einem grünen Etikett.
    Vorsichtig gerechnet dürften alleine für Flüge nach und von Brasilien zwischen 90.000 und 325.000 t CO₂ anfallen. Dazu kommen noch Hotelaufenthalte, Transfers, Klimatisierung der Konferenzzentren und der ganze logistische Tross. Und das alles für ein Treffen, das vorgibt, das Klima zu retten. Der gesamte ökologische Fußabdruck ist also immens. Von den Kosten für dieses Spektakel ganz abgesehen.
    Wenn man dann noch bedenkt, dass Brasilien dafür extra Infrastruktur, Strom und Fläche bereitstellt (oft auf Kosten des Regenwaldes), wird der Widerspruch offensichtlich:
    Man predigt „Klimaschutz“, während man selbst einen beachtlichen Anteil an Emissionen und Naturzerstörung verursacht – allein um über das Reduzieren von Emissionen zu reden.
    Die Delegation Deutschlands umfasst rund 160 Personen, von denen die wenigstens Ahnung im Zusammenhang mit CO₂ haben dürften und sowieso nicht zu Wort kommen oder gar Erkenntnisse mitbringen werden.
    Unter dem Strich darf die Teilnahme an der Klimakonferenz als Luxusurlaub zu Lasten der Steuerzahler bezeichnet werden.

    Die UNO, WHO, EU und auch der Bundestag haben während der Corona-Zeit bewiesen, dass hybride oder rein digitale Konferenzen mit Tausenden Teilnehmern weltweit funktionieren. Hochsichere Leitungen, Dolmetschsysteme, Abstimmungsplattformen – all das existiert längst.
    Es gibt also überhaupt keinen sachlichen Grund, 50.000 Leute um den halben Globus zu fliegen.
    Die unbequeme Realität ist nämlich, dass viele dorthin fliegen, weil es Prestige, Netzwerke und Einfluss bringt – nicht, weil man ohne persönliche Präsenz nichts beschließen könnte. Dass man es nicht tut, zeigt mehr über die wahren Prioritäten dieser „Klimafreunde“ als jede Rede dort.
    Sponsoren, Lobbygruppen und NGOs nutzen solche Treffen als Showbühne für Aufmerksamkeit, PR und Geldquellen.
    Der offizielle Zweck – „Klimaschutz“ – wird dabei zur Moral-Fassade, um das Ganze zu rechtfertigen.

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