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published 08.08.2026

Deutsche Stromverbraucher zahlen jährlich circa 4 Milliarden Euro für „Redispatch“. Das sind nicht die Kosten für die Herstellung der elektrischen Energie, sondern zusätzliche Kosten, die bei  den Umschaltungen zwischen den verschiedenen Stromerzeugern anfallen, um den Launen von Sonne und Wind gerecht zu werden. Vor der Energiewende gab es so gut wie kein Redispatch.


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Jetzt aber zurück zum Redispatch.


Wer kassiert da?

Von 2005 bis 2025 ist der Preis für eine Kilowattstunde in Deutschland von 19 auf 41 Cent gestiegen, er hat sich in 20 Jahren also mehr als verdoppelt. Im gleichen Zeitraum wurde auch die Windkraft erheblich ausgebaut, von etwa 18 auf 78 installierte Gigawatt. Die Solarkraftwerke wuchsen sogar von 2 auf 117 Gigawatt. Die „Alternativen“ haben sich also insgesamt etwa verzehnfacht! Und weil Wind und Sonne doch keine Rechnung schreiben, sollte man erwarten, dass der Strom billiger würde. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Was sich da alles zu den 41 Cent pro Kilowattstunde aufaddiert, die man uns heute  abnimmt, und wer davon tatsächlich profitiert, das wird wohl schwer in Erfahrung zu bringen sein. Ein Teil sind auf jeden Fall die Kosten für „Redispatch“.

 

Was ist „Redispatch“?

Es gibt da ein europäisches Stromnetz (Continental Europe Synchronous Area) in das fast alle Staaten Europas einspeisen und aus dem sie sich bedienen. Die eingespeiste Leistung muss in jedem Moment so groß wie die abgenommen sein, insofern ist das Management dieses Systems alles andere als trivial.

Natürlich wurden im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gemacht, wie die Anforderungen mit den Jahres- und Tageszeiten variieren. Auch addieren sich bei der großen Anzahl an Abnehmern und Erzeugern zu jedem Zeitpunkt statistische Mittelwerte, die einigermaßen stabil sind. Dennoch kann es vorkommen, dass in diese unvorstellbar komplexe Kombination der unter einander verdrahteten Kraftwerke während des Betriebs eingegriffen werden muss.

Etwa muss ein Kraftwerk seine Leistung wegen Wartungsarbeiten reduzieren, dafür wird ein anders entsprechend hochgefahren. Das muss ganz langsam und vorsichtig vollzogen werden, denn es handelt sich um Wechselstrom. Der ändert seine Richtung mit der Frequenz 50 Hertz, also 50 mal pro Sekunde.  Und nicht nur die Frequenz der verschiedenen Stromlieferanten muss übereinstimmen, auch die „Phase“, also in welchem genauen Zustand zwischen Plus und Minus sich die Lieferungen aller Beteiligten befinden.

Das könnte man vergleichen mit einem Orchester, in dem alle Streichinstrumente nicht nur genau den selben Ton spielen, sondern auch alle Saiten synchron auf und ab schwingen. So ein anspruchsvoller Eingriff in das Stromnetz wird als „Redispatch“ bezeichnet.

 

Die launenhaften Amateure

Während Redispatch in der Vergangenheit vielleicht ein oder zweimal pro Jaht nötig war, ist er heute, bedingt durch die Koppelung der alternativen Quellen mit dem Netz, etwas Alltägliches. Die Alternativen leiten ja die Marotten von Wind und Sonnenschein direkt weiter ins Netz, welches sich diesen Schwankungen anpassen muss. Das macht laufend  Redispatches nötig.

Unser professionell eingespieltes Streichorchester muss sich jetzt also nach einer Schar von launenhaften Amateuren richten, die mal laut, mal leise und manchmal gar nicht mitspielen wollen. Da kann dann auch mal etwas schief gehen. Im Spanien ist voriges Jahr im April ein Redispatch misslungen. Das führte zu Spannungsinstabilität, die in einer Kettenreaktion schließlich den „Iberischen Blackout“ verursachte. Spanien und Portugal verloren innerhalb weniger Sekunden für viele Stunden ihre Stromversorgung. Vorübergehend hat es auch Südfrankreich erwischt. Insgesamt waren über 50 Millionen Menschen betroffen.

 

Nicht nur das

Offensichtlich entstehen durch Redispatch bedingtes, häufiges Auf- und Abfahren für Betreiber konventioneller Kraftwerke zusätzliche Kosten.  Aber auch bei den Betreibern der Stromnetze, die für das richtige Verteilen und Umschalten der Gigawatts verantwortlich sind, erhöht sich der Arbeitsaufwand erheblich – und all das muss vom Kunden bezahlt werden.

Aber das ist noch nicht alles. Es kann vorkommen, dass an einem sonnigen, windigen Tag Windgeneratoren „vom Netz genommen“ werden, weil sonst mehr Strom eingespeist als abgenommen würde. Diese Windmühlen drehen sich dann im Leerlauf, aber ihr Betreiber wird dennoch für den fiktiven Strom, den seine Anlage theoretisch hätte einspeisen können, mit realem Geld entlohnt!

Umgekehrt ist es auch möglich, dass alle alternativen und konventionellen Kraftwerke gemeinsam nicht ausreichen, um Deutschlands Stromhunger zu stillen. Das Netz macht es in solchen Fällen möglich Strom aus dem Ausland, etwa aus Frankreich zu importieren, wo die Kernkraftwerke unabhängig vom Wetter ihre installierte Leistung erbringen . Das lassen sich unsere Nachbarn aber bezahlen, als wäre es Rotwein vom Château Lafite Rothschild. Da kostet eine Megawattstunde dann schon mal 200 Euro. Wenn dann 8 Gigawatt – ein realistischer Import – für fünf Stunden einfließen, dann sind das 40.000 MWh zu je €200 = 8 Millionen Euro für einen einzigen  windstillen Abend.  Für unsere Nachbarn ist die Energiewende doch ein gutes Geschäft. Für die deutsche Bevölkerung weniger.


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