published 16.03.2024

Bild: Pixabay / 6989455
Paviane können Männlein und Weiblein eindeutig unterscheiden, und nicht nur das, sie reagieren unterschiedlich auf die beiden Geschlechter. Wie kann man ihnen klar machen, dass sie sich politisch inkorrekt verhalten? Oder kann man umgekehrt ihren Instinkt vielleicht nutzbringend einsetzen?
Ein schönes Urlaubserlebnis
Falls Sie planen, demnächst Urlaub am Kap der Guten Hoffnung zu machen, dann möchte ich Ihnen eine Warnung mit auf den Weg geben.
Sie sind vielleicht auf dieser wunderbaren Küstenstraße unterwegs und halten an, um den herrlichen Fernblick übers Meer zu genießen. Es ist angenehm warm, leichter Wind und kein Mensch weit und breit. Und doch wird jede kleinste Ihrer Bewegungen aufmerksam verfolgt, etwa wie Sie vor dem Aussteigen noch einen Schluck Cola trinken und die angebrochene Dose in die Mittelkonsole des Wagens stellen. Kaum sind Sie ein paar Schritte weg, da kommt er hinter dem Busch hervor, klettert auf den Wagen, greift mit seinem langen Arm durch das offene Schiebedach und holt sich die Cola. All das geht in „affenartiger“ Geschwindigkeit, Sie haben keine Zeit, ihr Handy für ein Video aus der Tasche zu ziehen. Dann kippt der Kerl den Rest der Dose auf die Kühlerhaube und leckt das Zeug auf. Zivilisiert trinken können sie alle nicht, diese Paviane.
Was für den Touristen ein exotisches Erlebnis ist und eine willkommene Geschichte für daheim, das kann für Menschen, die schon länger hier leben, eine erhebliche Gefährdung, oder jedenfalls Beeinträchtigung der Lebensqualität darstellen.
Freunde hatten ein Haus am Berg, in das die frechen Affen regelmäßig eindrangen. Mit Dreistigkeit statt Intelligenz fanden sie jede offene Luke, jede Küchentür, die nur angelehnt war, und interpretierten das als Einladung zum Brunch. Nach kürzester Zeit lagen dann Zucker und Haferflocken samt zerrissenen Tüten auf den Boden, vermischt mit Milch von den kaputten Flaschen, die aus dem Kühlschrank gefallen waren.
Nicht satisfaktionsfähig
Das Erstaunliche war nun, dass die Parasiten sich kaum stören ließen, wenn der Herr des Hauses sie lauthals zur Flucht aufforderte. Erst als er, mit einem dicken Besenstiel in der Hand, drohend auf sie zustürmte, da reagierte das Pavian-Oberhaupt, zeigte die Zähe und verließ im Rückwärtsgang unter verächtlichem Zischen das Haus, und mit ihm die ganze Familie. Endlich hatten meine Freunde eine wirkungsvolle Waffe gefunden; so glaubten sie jedenfalls.
Nun ergab es sich, dass die Paviane wieder zu Besuch kamen, als der Herr des Hauses weg war. Jetzt bewaffnete sich Madame mit dem Besenstiel und stürmte wütend in die Küche. Aber sie wurde kaum wahrgenommen. Man zeigte ihr nicht einmal die Zähne und setzte die Mahlzeit ungestört fort. Der Häuptling der Gruppe hielt sie für nicht satisfaktionsfähig, sie war für ihn offensichtlich nur irgend so ein harmloses Säugetier.
Warum solch unterschiedliche Reaktionen auf Frau und Mann? Die Dame des Hauses war keineswegs schmächtig, und, so wie ihr Mann, in Jeans und T-Shirt gekleidet. Wieso also die Differenzierung zwischen den beiden, und die unterschiedliche Reaktion? Und nicht nur im Hause dieser Freunde geschah so etwas. Es gibt zahlreiche Anekdoten, wo auch in ganz anderen Situationen die Paviane konsequent Respekt vor den Männern hatten, die Frauen aber mit Missachtung straften. How dare they!
Ein Pavian im Bundestag? (Vorsicht! Ab hier Satire)
Nun haben wir ja gelernt, dass wir uns ohnehin frei entscheiden können, ob wir Männlein oder Weiblein sind. Ja, es ist sogar im deutschen Bundestag schon vorgekommen, dass über das Geschlecht einer Person Uneinigkeit herrschte: Eine vermeintlich weibliche Abgeordnete wurde als „Herr“ angesprochen. War diese Person nun in Wirklichkeit Mann oder war sie Frau? Wer könnte in solchen Situationen ein objektives Urteil fällen? Nur ein Pavian!
Der ließe sich auch nicht durch Tricks wie Kleidung hinters Licht führen, denn er hat keine Ahnung von Mode und Accessoires. Einer Frau in Rockerkleidung würde er auf den Kopf zu sagen, dass sie kein Kerl ist, und er würde sich umgekehrt auch nicht durch Rüschen und Dessous täuschen lassen. Wäre es also hilfreich einen Pavian als Schiedsrichter in den Bundestag zu setzen?
Mit seiner Dreistigkeit statt Intelligenz würde er neben so manchem Abgeordneten kaum auffallen. Die entscheidende Frage aber ist, In welcher Fraktion er am besten aufgehoben wäre. Vielleicht sollte man ihm, im Sinne des Tierschutzes, die freie Wahl überlassen. Auf jeden Fall würde er im Bundestag schnell seine Illusion verlieren, dass weibliche Menschen auch nur irgend so ein Typ harmloser Säugetiere seien.


Joachim
Bernd Ternes
Ellen Walther
Klaus Eickelmann