Während der Reaktorunfall von Fukushima Deutschland in den nuklearen Selbstmord trieb, vollzieht Japan gerade die Wiederbelebung der Kernkraft.
Ein Kraftwerk für eine Millionenstadt
Ein einziges modernes Kernkraftwerk kann eine Millionenstadt üppig mit Strom versorgen. Deshalb waren sie in Deutschland früher eher dezentral über das Land verteilt. Doch in Regionen mit extrem energiehungriger Industrie lohnt es sich, mehrere Blöcke dicht beieinander zu bauen – zwar unabhängig, aber auf gemeinsamer Infrastruktur. Ein solches Cluster sorgt derzeit für Schlagzeilen: das Kernkraftwerk Saporischschja am Dnepr im Südosten der Ukraine. Mit sechs russischen WWER-1000-Blöcken à 950 MW netto ist es das leistungsstärkste Europas. WWER steht für „Wasser-Wasser-Energiereaktor“ – ein Druckwasserreaktor mit zwei getrennten Wasserkreisläufen: einem im Reaktor und einem nuklear entkoppelten Kreislauf für die Turbinen.
Nach dreizehn Jahren wieder ans Netz
Doch Saporischschja bekommt bald Konkurrenz – am anderen Ende der Welt. In Japan bereitet sich eines der größten Kraftwerke der Erde auf die Wiederinbetriebnahme vor: Kashiwazaki-Kariwa, 185 km nördlich von Fukushima. Sieben Reaktoren, fünf davon klassische Siedewasserreaktoren (BWR), zwei modernere Advanced Boiling Water Reactors (ABWR). Zusammen bringen sie knapp 8 Gigawatt ins Netz – so viel Dauerleistung wie etwa 22.000 deutsche Windräder im Jahresdurchschnitt 2024.
Das Werk, das nach Fukushima 2011/12 stillgelegt worden war, soll nun schrittweise wieder hochgefahren werden. Die ersten beiden Blöcke (Unit 6 und 7) haben bereits alle technischen und behördlichen Hürden genommen; der kommerzielle Betrieb könnte 2029/2031 beginnen.
Während Deutschland auf Fukushima mit nuklearem Harakiri reagierte, feiert Japan die Renaissance der Kernkraft.
Gerd Fricke
Gerd Fricke
Hugo Olsen
Cornelius Junghans,Dr.