published 29.11.2025


Bild: chatGTP

Während der Reaktorunfall von Fukushima Deutschland in den nuklearen Selbstmord trieb, vollzieht Japan gerade die Wiederbelebung der Kernkraft.


Ein Kraftwerk für eine Millionenstadt

Ein einziges modernes Kernkraftwerk kann eine Millionenstadt üppig mit Strom versorgen. Deshalb waren sie in Deutschland früher eher dezentral über das Land verteilt. Doch in Regionen mit extrem energiehungriger Industrie lohnt es sich, mehrere Blöcke dicht beieinander zu bauen – zwar unabhängig, aber auf gemeinsamer Infrastruktur. Ein solches Cluster sorgt derzeit für Schlagzeilen: das Kernkraftwerk Saporischschja am Dnepr im Südosten der Ukraine. Mit sechs russischen WWER-1000-Blöcken à 950 MW netto ist es das leistungsstärkste Europas. WWER steht für „Wasser-Wasser-Energiereaktor“ – ein Druckwasserreaktor mit zwei getrennten Wasserkreisläufen: einem im Reaktor und einem nuklear entkoppelten Kreislauf für die Turbinen.

Nach dreizehn Jahren wieder ans Netz

Doch Saporischschja bekommt bald Konkurrenz – am anderen Ende der Welt. In Japan bereitet sich eines der größten Kraftwerke der Erde auf die Wiederinbetriebnahme vor: Kashiwazaki-Kariwa, 185 km nördlich von Fukushima. Sieben Reaktoren, fünf davon klassische Siedewasserreaktoren (BWR), zwei modernere Advanced Boiling Water Reactors (ABWR). Zusammen bringen sie knapp 8 Gigawatt ins Netz – so viel Dauerleistung wie etwa 22.000 deutsche Windräder im Jahresdurchschnitt 2024.

Das Werk, das nach Fukushima 2011/12 stillgelegt worden war, soll nun schrittweise wieder hochgefahren werden. Die ersten beiden Blöcke (Unit 6 und 7) haben bereits alle technischen und behördlichen Hürden genommen; der kommerzielle Betrieb könnte 2029/2031 beginnen.

Während Deutschland auf Fukushima mit nuklearem Harakiri reagierte, feiert Japan die Renaissance der Kernkraft.

Comments (4)

  1. Gerd Fricke

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    Es scheint hier in Japan so zu sein, dass auch im Bereich Bildung hinsichtlich Kernenergie eine andere Richtung eingeschlagen wird als in Deutschland. Siehe Bericht: STEAM Education and Nuclear Literacy— The Responsibility of Future Educators
    https://www.jaif.or.jp/en/news/7388

  2. Gerd Fricke

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    Hier bei uns in Japan bereitet man einen weiteren Reaktor auf die Wiederinbetriebnahme vor.
    Bericht vom 29. November 2025 gefunden in:
    https://japannews.yomiuri.co.jp/business/companies/20251129-295537/

    SAPPORO — The process to restart the No. 3 reactor at Hokkaido Electric Power Co.’s Tomari nuclear power plant in Tomari, Hokkaido, is beginning to move more quickly.
    While the four nearby municipalities, including the village of Tomari, where the plant is located, have shown their understanding for the restart, Hokkaido Gov. Naomichi Suzuki also announced his support for the restart at the prefectural assembly.
    With the demand for electricity likely to increase in Hokkaido, expectations are high for a stable power supply and a reduction in electricity prices, which are currently the most expensive in Japan.

  3. Hugo Olsen

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    …und auch in der Schweiz wurde das Stimmvolk vom UVEK (Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation) unter Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) in die Irre geführt. Sie hatte damals als Energieministerin die Vorlage ausgearbeitet und vertreten gehabt, die in der Volksabstimmung zur Energiestrategie 2050 am 21. Mai 2017 zum Verbot vom Bau neuer Kernkraftwerke führte. Das Projekt für das sich bereits in der Planungsphase befindende Beznau 3 wurde darauf hin sofort gestoppt. Was für ein Unsinn! Und jetzt möchte man mit List uns riesige Windkraftanlagen in den noch intakten Landschaften der Voralpen aufdrücken. Jetzt wird seit 2024/2025 darüber diskutiert, dieses Verbot per Volksabstimmung aufzuheben. Hätte man/frau dazumal mit Vernunft, Sachverstand und Logik auf Fukushima reagiert, dann wäre das KKW Beznau 3 jetzt betriebsbereit – oder fast betriebsbereit – und der Zurückbau der alten KKW Beznau 1 und 2 in den nächsten Jahren könnten ohne allfällige Stromlücken (oder Blackouts) vorangehen.

  4. Cornelius Junghans,Dr.

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    Auch bei uns in Deutschland wird eine solche Renaissance kommen müssen. Am ehesten mit DFRs. Leider dauert das noch lange.
    Meines Wissens ist in Fukushima nur 1 Mensch durch Strahlungsfolgen gestorben, alle anderen durch die Flutwelle. Das ist zu wenig bekannt.
    Frau Merkels Entscheidung war ein unüberlegter Schnellschuß .

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