published 29.06.2025

Bild: Grok

(Von Gastautor Manfred Haferburg)

An welche Farbe denken Sie, lieber Leser, wenn ein Buchtitel lautet: “Die Farbe des Scheiterns”? Das neue Buch von Hans Hofmann-Reinecke ist ein kritisches Sachbuch, das sich auf anschauliche, ja bisweilen heitere Weise mit den Auswirkungen grüner Ideologien auf Gesellschaft und Wirtschaft auseinandersetzt – ein reines Lesevergnügen für den kommenden Sommerurlaub – falls die Erderhitzung den Aufenthalt im klimatisierten Hotelzimmer bei einem kühlen Prosecco angeraten erscheinen lässt. Oder falls es gerade waagerecht regnet. 

 


Der Autor

Fangen wir mit dem Autor an. Dr. Hans Hofmann-Reinecke ist ein Mann vielfältiger Talente.  Er studierte Physik in München und Berkeley. Er wurde danach Professor in Santiago de Chile und arbeitete später in kernphysikalischer Forschung. In den 1980er Jahren war er für die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien als „Safeguards Inspektor“ tätig. Das ist ein anspruchsvoller und nicht immer risikofreier Job. Die IAEA-Inspektoren achten bei ihren Reisen in die weltweiten Atomanlagen darauf, dass der Atomwaffensperrvertrag auch von Staaten eingehalten wird, die gern die Bombe hätten, aber die internationale Ächtung fürchten. Der geneigte Leser kann sich sicher vorstellen, wie willkommen da die Kontrolleure sind. Auch das Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine wurde zwischen den Fronten von den mutigen IAEA-Inspektoren besucht.

Hofmann-Reinecke gründete 1989 die hhr-Consulting, die größere Unternehmen bei der Beschleunigung ihrer Entwicklungsarbeit beriet, frei nach dem Motto „Die richtigen Projekte machen, die Projekte richtig machen“. Seit 2010 ist er primär als Autor tätig: Seine Buchreihe „Grün und dumm“ krönt er jetzt mit dem Band „Die Farbe des Scheiterns“. Was mir besonders an ihm gefällt, ist sein trockener Mutterwitz und seine ausgeprägte Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erklären – die der Leser danach häufig mit einem verhaltenen Kichern versteht.

Der Autor lebt heute in Kapstadt, so einigermaßen außerhalb der Reichweite eventueller Leute mit Hauptsache schönem Haar und angeschlossener Exekutive.

Worum geht es in dem Buch?

Hans Hofmann Reinecke argumentiert auf 316 Seiten, dass viele umweltpolitische Maßnahmen nicht nur ineffektiv, sondern auch extrem kostspielig sind und nur dank der mangelnden naturwissenschaftlichen Aufklärung der Bevölkerung möglich sind. Logischer Verstand und Einblick in elementare technische Zusammenhänge schaffen zwar noch keine besseren Demokraten, aber sie erschweren es ideologisch geprägten Polit-Dilettanten, den Bürger zum Narren zu halten. 

Das Buch ist in 50 thematisch geordnete Artikel unterteilt, die verschiedene Aspekte der Energiewende, des Atomausstiegs und der Klimapolitik beleuchten. Hofmann-Reinecke nutzt dabei eine humorvoll analytische Herangehensweise, um die wirtschaftlichen und technischen Zusammenhänge verständlich zu machen. Er greift auf Fallbeispiele wie den grünen Wasserstoff aus Namibia oder die CO₂-Bilanz von Regierungsreisen zurück, um seine Argumente zu untermauern. Und der Humor ist dabei das Salz in der literarischen Suppe, die nie ausschweifend ist, sondern kurz und knackig zum Punkt kommt.

Selbstredend sind die Reaktionen zu diesem Buch gemischt: Während die meisten Leser die fundierte Analyse und die kritische Perspektive loben, bellen einige Getroffene laut auf und beißen mit den Argumentationen „einseitig“ oder „polemisch“ um sich. Aber so soll es ja auch sein, sonst wäre es zu langweilig. Besonders positiv hervorgehoben wird von Lesern die klare und verständliche Sprache, die auch komplexe technische Zusammenhänge greifbar macht.

Einige Beispiele aus dem Inhalt

Grüner Wasserstoff aus Schwarzafrika

Der Autor argumentiert, dass die Produktion von grünem Wasserstoff in Namibia wirtschaftlich und ökologisch mehr als fragwürdig ist und eher einem politischen Wunschdenken entspricht.

Er stellt dar, dass die Herstellung von grünem Wasserstoff extrem teuer ist und die benötigte Energie für die Elektrolyse aus Windenergie ohne fossile Quellen nicht möglich wäre, was die Umweltbilanz fragwürdig macht. Der Wasserstoff müsste über große Distanzen transportiert werden, was zusätzliche Energieverluste und hohe Kosten verursacht. Der Autor sieht die Förderung von grünem Wasserstoff als eine ideologisch getriebene Entscheidung, die nicht auf realistischen wirtschaftlichen oder technischen Grundlagen basiert. Er argumentiert, dass andere Energiequellen wie Kernkraft oder effizientere fossile Brennstoffe eine bessere Alternative darstellen könnten.

Das Kapitel ist Teil einer umfassenden Kritik an der aktuellen Energiepolitik und zeigt auf, wie wirtschaftliche und technische Faktoren heute die kognitiven Kapazitäten der physikalisch Ungebildeten in Regierung und Bevölkerung  überfordern.

Die fliegenden Politiker

CO₂-Bilanz von Regierungsreisen – Hofmann-Reinecke analysiert, wie viel Kerosin auf den Flügen einer reiselustigen Außenministerin verbrannt wird und stellt die Frage nach der tatsächlichen Klimawirkung solcher Reisen. Und wir lernen, wie es nur durch Einordnung von Größen in eine Größenordnung auch Ordnung in unserem Kopf geben kann.

Der Autor fragt sich, was wohl ein Pavian im Bundestag bewirken könnte, wenn er denn aufgestellt und gewählt würde. Wir überlassen es lieber dem Leser, herauszufinden, wie an diesem Beispiel das Bundesgleichstellungsgesetz der Ampel auf die Schippe genommen wird.

Prima-Klima

„Die Wissenschaft!“ rufen die Nutznießer der Klimahysterie „ist sich einig“. Das stimmt zwar nicht, aber selbst, wenn es stimmte, wäre es paradox. Denn Wissenschaft soll Wissen schaffen – nicht predigen. Das soll der Religion überlassen bleiben.  In diesem Kapitel werden die physikalischen Grundlagen der erneuerbaren Energien – energetische Zusammenhänge von Sonne, Wind und Wärme erklärt und kritisch hinterfragt. Welche Rolle spielen die Medien in dieser Posse? Der Autor diskutiert, wie gewisse Medien die öffentliche Meinung zur Klimapolitik beeinflussen und welche Narrative dabei dominieren.

Mein Rat: Mit Vergnügen lesen

Und was ist mein Lieblingsbonmot in diesem Buch? „Ein Bürger, der nicht in Größenordnungen denken kann, der lädt seine Regierung ein, ihn um Größenordnungen zu betrügen.“ Und auch, dass es auf Erden zwei Richtungen gibt: nach Süden zu den Pinguinen – für Ministerinnen – und nach Norden zu den Eisbären – wohl auch für Ministerinnen. Solche dezent-eleganten Seitenhiebe erhellen dem geneigten Leser den Tag. Stopp, ich muss aufpassen, dass ich keine lange Liste meiner Lieblingsbonmots aus dem Buch erstelle. Da wird jeder Leser selbst fündig werden.

 

Technische Daten des Buches

  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Oktober 2024
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 316 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8344840703
  • Preis: Paperback €29.99, E-book €11,49  bei Amazon

 


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